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Geistliches Wort

Mein Patenkind

Haben Sie ein Patenkind? Ich habe sogar zwei Patenkinder. Charlotte ist seit 14 Jahren mein 1. Patenkind. Ich bin damals nach Chemnitz zu ihrer Taufe gefahren. Ihre Mutter kenne ich durch das Theologiestudium. Chemnitz ist sehr weit von Kiel, deshalb habe ich all die Jahre Charlotte nur einmal im Jahr gesehen, ab und zu war sie mal mit ihrer Familie bei uns. Zum Geburtstag und zu Weihnachten habe ich immer ein Geschenk geschickt. Inzwischen wohnt Charlotte zwar in Kassel, aber das ist immer noch sehr weit. Wir sehen uns selten und ich bin, glaube ich, keine gute Patentante. Letztes Jahr haben wir die Konfirmation von Charlotte gefeiert. Das war ein schöner Gottesdienst und ein tolles Fest. Nach der Konfirmation bin ich erleichtert nach Hause gefahren und habe gedacht, so das war´s. Jetzt ist meine Patenschaft beendet. Denn mit 14 Jahren ist Charlotte religionsmündig und auch alt genug, ihren Glauben ohne mich weiter wachsen zu lassen. Sie kann jetzt selbst entscheiden, wie sie den Kontakt zu ihrer Gemeinde und zur Kirche pflegt. Und ich brauche nicht immer so ein schlechtes Gewissen zu haben, dass wir uns so selten sehen. Im Sommer hatte Charlotte dann Geburtstag. Ich habe doch noch ein kleines Geschenk hingeschickt – so aus alter Gewohnheit. Dann kam Weihnachten, und ich merkte, ich wollte Charlotte unbedingt noch so ein schönes buntes El-Salvador-Kreuz schenken, denn zur Konfirmation hat sie ein silbernes Kreuz bekommen. Und überhaupt möchte ich den Kontakt jetzt nicht so abreißen lassen, ich habe doch nun 14 Jahre alles miterlebt: den Kindergarten, den Schulanfang, den Umzug, den Schulwechsel, ihren kleinen Unfall. Und eigentlich wurde trotz Entfernung unsere Beziehung immer besser. Ich habe vor 14 Jahren ein kirchliches Amt übernommen, das sogar in die Kirchenbücher eingetragen wurde. Dieses Amt ist ein lebenslanges Amt. Denn so geht es mir auch mit meinen eigenen Patinnen, ich nenne sie immer noch Patentanten. Und zu meinen Patentanten besteht eine besondere Beziehung.

Bei Taufgesprächen erzählen mir Eltern oft, dass Sie Paten oder Patinnen auswählen, damit diese im Notfall für ihr Kind sorgen können. So habe ich meine Aufgabe für Charlotte nie verstanden. Das wäre auch schwierig bei der Entfernung. Paten oder Patinnen sind nicht automatisch Vormund, sondern das entscheidet nötigenfalls das Vormundschaftsgericht.

Wer Fragen zum Patenamt hat oder eine eigene Geschichte mit einem Patenkind, kann mir gerne per Mail oder Brief schreiben. Vielleicht könnten sich ja mal mehrere Paten austauschen.

Ich werde dieses Jahr hoffentlich noch mal nach Kassel kommen…

Ihre Pastorin Maren Cnotka