Wenn das Beten sich lohnen würde…oder: Ein Bericht über einen fiktiven Gemeindeausflug
Stellen wir uns vor, wir wären am vergangenen Sonntag in einen Bus eingestiegen. Alle möglichen Menschen aus unserer Gemeinde, um einen Ausflug zu machen. Alle wünschten sich gutes Wetter, aber so richtig wollte die Sonne nicht. Auch war es noch recht kühl. Das sagt eine ältere Dame: „Für schönes Wetter hätte der Herr Pastor ja auch mal beten können.“ Ein Gespräch darüber schließt sich an: Macht Gott das Wetter wie Odin oder ein afrikanischer Regengott? Kann ich durch Beten das Wetter beeinflussen? Und was wäre, wenn die Bauern nun dringend Regen bräuchten? Und zum Schluß: Warum hat nicht die ältere Dame dafür gebetet?
Wir fahren weiter. Eine Gruppe Männer aus dem Chor stimmt das Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“ an. Bei dem Wort „Schwager“ sagt eine Dame aus dem Bibelkreis: „Wissen Sie, Herr Pastor, mein Schwager, sie kennen ihn ja, ist gar nicht mehr der Alte. Seit dem Tod seiner Frau ist er ganz verbittert. Er hatte ja so viel gebetet, dass sie wieder gesund wird. Aber seine Gebete wurden nicht erhört.“

Es geht um Gebete, die nicht erhört werden. Aber das ist genau die Frage: Woran merken wir denn, dass sie nicht erhört werden? Vielleicht daran, ob das eintritt, um das wir bitten? Wir denken: Wenn das nicht geschieht, worum ich gebeten habe, dann wurde es von Gott nicht erhört. Und dann ist der Weg zu sagen, dass Beten keinen Sinn mehr macht, recht kurz. Aber das ist nicht richtig. Allein daraus, dass nicht sofort das eintritt, was wir wollen, können wir nicht schließen, dass unsere Gebete nicht erhört werden. Beten ist ja nicht Zaubern oder ein Wunschautomat. Jesus versichert uns, dass die Gebete erhört werden. Er verspricht uns nicht, alle unsere Wünsche zu erfüllen. Und letztlich heißt es im Vater-unser: Dein Wille geschehe.
Ein Konfirmand hat gut zugehört und schaltet sich ein: „Wenn es nur darum geht, den Willen Gottes zu tun, warum beten wir dann im Gottesdienst für andere?“ Ja, warum denken wir im Gebet an andere Menschen? Fragen wir uns, was geschieht, wenn wir das tun. Wenn ich für andere bete, dann sind mir diese Menschen nicht mehr egal, gleichgültig. Ihre Anliegen werden zu meinen und es entsteht eine Verbindung unter uns. Vielen, die trauern, ist es wichtig zu wissen, dass die Gemeinde am Sonntag an sie denkt und für sie betet.
Am nächsten Tag lese ich den Predigttext für den kommenden Sonntag und da steht: Das Erste und Wichtigste, wozu ich die Gemeinde aufrufe, ist das Gebet, und zwar für alle Menschen. (1. Timotheus 2,1)
Seien sie gewiss, dass wir Sie in unser Gebet einschließen.

Pastor Martin Anderson